Zdebel (DIE LINKE) kritisiert Bayer-Hauptversammlung: „Die Corona-Krise zeigt: Wir brauchen dringend gesellschaftliche Kontrolle über die Pharmaindustrie!“

27. April 2020  Allgemein, NRW, Pressemitteilungen

Der Leverkusener Pharma- und Agrarkonzern Bayer ist das erste DAX-Unternehmen, das am morgigen Dienstag (28.04.) die von der Bundesregierung neu geschaffene Möglichkeit nutzt, während der Corona-Pandemie seine Hauptversammlung online auszurichten. Der Umweltpolitiker und NRW-Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE) kritisiert die eingeschränkten Möglichkeiten für kritische Stellungnahmen und Proteste:

„Gerade Bayer ist mit seinen dubiosen Geschäftspraktiken im Bereich Pharma und Agrarchemie ein Konzern, der sich in der Corona-Krise einige kritische Nachfragen anhören müsste. Eine Hauptversammlung ohne physische Präsenz und unter Einschränkung der Beteiligungsrechte der Minderheitenaktionäre macht das aber nahezu unmöglich. Das Notgesetz der Bundesregierung dient hier de facto zur Ausschaltung von Kritik und Protesten. Bayer hätte die Hauptversammlung auf den Herbst verschieben müssen. Ich wünsche der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) und den Kritischen AktionärInnen dennoch viel Erfolg bei ihren Interventionen und ihrer Corona-gerechten Mahnwache.“

Zdebel weiter:

„In der Corona-Krise wird das zerstörerische Geschäft des Konzerns mehr als deutlich. Nicht nur hat das Bayer-Management seinen globalen Einfluss im Pharmabereich genutzt, um Privatisierungen im Gesundheitssektor durchzudrücken, sondern auch wichtige Grundlagenforschung an Impfstoffen eingestellt, weil sich damit kaum Profit generieren lässt. Der ehemalige Konzern-Chef Marijn Dekkers hat das einmal ganz unverhohlen ausgeplaudert: ‚Wir müssen Geld verdienen mit unseren Produkten. Das führt dazu, dass nicht alle Medikamente entwickelt werden, die wir brauchen.‘

Hinzu kommt, dass die Corona-Pandemie nicht einfach Schicksal ist. Die Ausbreitung von Seuchen steht im Zusammenhang zur globalen Kapitalisierung des Agrarsektors mit seinen gigantischen Monokulturen. Bayer ist erst recht nach der Monsanto-Übernahme systematisch beteiligt an der Zerstörung von Ökosystemen und Biodiversität, wodurch die Verbreitung von Krankheitserregern enorm begünstigt wird. Der Konzern steht exemplarisch für den kapitalistischen Raubbau an der Natur. Durch die tendenzielle Vernutzung noch des letzten Quadratmeters Erde werden die Rückzugsgebiete für Wildtiere immer weiter minimiert, sie leben mit Menschen teilweise auf engstem Raum.

Der Gipfel der Dreistigkeit besteht darin, dass Bayer nun quasi im Eilverfahren seine schmutzig erwirtschafteten Gewinne als Dividenden an die Aktionäre ausschütten will. Ein völlig falsches Signal in einer Zeit, die durch die Existenznöte vieler hunderttausend, ja Millionen Menschen geprägt ist. Um den Schaden wenigstens zu begrenzen, den dieser Konzern seit seinem Bestehen immer wieder anrichtet (Kollaboration mit dem Nationalsozialismus, dutzende Umwelt- und Gesundheitsskandale), müssten die Profite komplett in die kurzfristige Impfmittelforschung abgeführt werden.

Insgesamt zeigt die Corona-Krise: Wir brauchen dringend gesellschaftliche Kontrolle über die Pharmaindustrie. Die Gesundheit der Menschen darf nicht dem Profitinteresse geopfert werden. Die Vergesellschaftung eines Konzerns wie Bayer, der weltweit enormen Einfluss auf die Gesundheitssysteme ausübt und den Agrarsektor dominiert, darf nicht länger ein Tabuthema sein.“


Ausdruck vom: 04.12.2020, 10:37:35 Uhr
Beitrags-URL: https://www.hubertus-zdebel.de/zdebel-die-linke-kritisiert-bayer-hauptversammlung-die-corona-krise-zeigt-wir-brauchen-dringend-gesellschaftliche-kontrolle-ueber-die-pharmaindustrie/
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