Streikbesuch bei Amazon in Werne: „Sie streiken für uns alle“

13. Januar 2016  Allgemein, NRW

Am 6. Januar habe ich spontan die streikenden Beschäftigten des Amazon-Logistikzentrums in Werne (NRW) besucht.

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Hintergrund dieser betrieblichen Auseinandersetzung ist der Kampf der Beschäftigten für gerechte Löhne und eine Anbindung an den Tarifvertrag des Einzelhandels. Amazon verweigert die Verhandlungen mit ver.di über einen regulären Tarifvertrag. Seit über zwei Jahren finden daher immer wieder Streiks an den unterschiedlichen Amazon-Standorten statt. Es geht um Grundsätzliches: Sollen prekäre Arbeit oder gute Arbeit, Tarifverträge oder hemmungslose Ausbeutung die Normalität in unserem Land bestimmen?

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Im Streikzelt durfte ich ein Grußwort halten: Ich habe den streikenden Beschäftigten in Werne dabei im Namen der LINKEN unsere Solidarität übermittelt und sie ermutigt, weiter zu kämpfen. Letztlich streiken die Amazon-Beschäftigten nicht nur für ihre Interessen im Betrieb, sondern für uns alle: Ein erfolgreicher Kampf hätte Auswirkungen auf den gesamten Bereich des Online-Versandhandels, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Zugleich würde ein Erfolg gegen das Amazon-Management auch gesamtgesellschaftlich die Diskussion über gute Arbeit befördern.

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In den anschließenden Gesprächen mit den Beschäftigen hat sich meine kritische Einstellung zu den Arbeitsbedingungen bei Amazon bestätigt: Immer wieder gibt es Probleme bei der Beantragung von Urlaub. Die lokale Geschäftsleitung schürt zudem Angst bei den Beschäftigten in Bezug auf mögliche Entlassungen. Die MitarbeiterInnen sind einem ständigen Leistungsdruck ausgesetzt, der einhergeht mit ausgefeilten Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen. Daher überrascht mich der hohe Krankenstand der Beschäftigten nicht. Laut Ver.di liegt der Krankenstand bundesweit zwischen 20 und 40 Prozent – weit über dem normalen Durchschnitt.

Die Amazon-Beschäftigten sind demnach mit einer äußerst dreisten und schikanösen Politik ihres Managements konfrontiert. Umso erfreulicher, dass sich immer mehr Beschäftigte bei Amazon gewerkschaftlich organisieren und den Konzern mit Streiks unter Druck setzen. Ich wünsche den Kolleginnen und Kollegen bei Amazon in Werne und an den anderen Standorten einen langen Atem im Kampf für einen Tarifvertrag und weiterhin ein solidarisches Miteinander!

Für weitergehende Hintergründe des Arbeitskampfes bei Amazon ist folgende Broschüre der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu empfehlen.


Ausdruck vom: 19.09.2020, 13:14:04 Uhr
Beitrags-URL: https://www.hubertus-zdebel.de/streikbesuch-bei-amazon-in-werne-sie-streiken-fuer-uns-alle/
© 2020 Hubertus Zdebel, MdB