Tihange & Doel – die belgischen Risiko- Reaktoren

16. November 2018  Atomenergie, Pressemitteilungen

Bundesumweltministerium senkt grundlegende Sicherheitsprinzipien

Das Bundesumweltministerium forderte lange die Abschaltung der beiden belgischen Risse-Reaktoren Tihange 2 & Doel 3. Doch nun bezieht es sich auf ein Gutachten der Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) und interpretiert dieses unzutreffend als Sicherheitsnachweis.

24 renomierte Experten der International Nuclear Risk Assessment Group (INRAG) haben sich die Stellungnahme der RSK genau angesehen. Mit einem Brandbrief protestieren sie gegen die Kehrtwende der Bundesregierung, die Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 für sicher zu erklären. Sie sehen keine fachlich- inhaltliche Grundlage hierfür und warnen, es gäbe noch weitere erhebliche Risiken. Die gestrige Monitor Sendung nimmt sich der in andauernder Sorge vor einem Atomunfall lebenden Menschen in der Grenzregion an und berichtet.

Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel, Sprecher für den Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, erklärt hierzu:

„In der Antwort auf eine Kleine Anfrage meiner Fraktion schließt sich das Bundesumweltministerium (BMU) der Bewertung der Tragfähigkeit der

Nachweisführung in Bezug auf die Integrität der beiden Reaktordruckbehälter der Rissereaktoren Doel-3 und Tihange-2 durch die Reaktorsicherheits- Kommission (RSK) an. Damit wird die Gefahr eines Rissewachstums verharmlost, das beispielsweise im Falle eines Störfalles mit kaltem Wasser auf die Reaktorwand bis zur Katastrophe führen könnte, wie Ilse Tweer für die INRAG im gestrigen Monitor- Bericht ausführt.

Die Bundesregierung täte gut daran, auf eine Einhaltung gleich hoher Sicherheitsstandards zu dringen, wenn es um Fragen der Nuklearen Sicherheit der Europäischen Atomanlagen geht. Stattdessen interpretiert sie technische Bewertungen der RSK als Sicherheitsnachweis und wirft so grundlegende europäisch definierte Sicherheitsprinzipien kerntechnischer Anlagen über Bord. Wir fordern von der Bundesregierung ein klares Bekenntnis zu den Zielen des Atomausstiegsgesetzes.

Im Koalitionsvertrag hatten CDU/CSU und SPD vereinbart zu verhindern, dass Kernbrennstoffe aus deutscher Produktion in Anlagen im Ausland, deren Sicherheit aus deutscher Sicht zweifelhaft ist, zum Einsatz kommen. Die Frage ist, ob das nach der Neubewertung der Sicherheit durch das BMU für die Bundesregierung noch für Tihange 2 und Doel 3 gelten soll, die durch die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen mit Uranbrennstoff beliefert werden.

Die deutschen Uranfabriken in Gronau und Lingen sorgen dafür, dass weltweit AKWs weiterlaufen und somit neben Atomstrom auch Super-GAU-Risiken und hochradioaktiven Atommüll erzeugen. Deshalb wollen wir, dass die Exporte von Uranbrennstoffen endlich verboten werden. Es darf keine deutsche Beteiligung an der Atomenergienutzung mehr geben. Die Uranfabriken müssen endlich in den Atomausstieg einbezogen werden. Dass eine Stilllegung dieser Uranfabriken möglich ist, haben Rechtsgutachten im Auftrag des Bundesumweltministeriums gezeigt. Jeder Tag weiteren Betriebs mit Uran-Lieferungen in marode Atomkraftwerke ist ein Spiel mit dem atomaren Feuer!“

Die Monitor-Sendung findet sich hier: https://www.ardmediathek.de/tv/Monitor/Belgische-Risiko-Reaktoren-Die-erstaunl/Das-Erste/Video?bcastId=438224&documentId=57776896

Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Stellungnahmen der Reaktorsicherheitskommission und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zur Bewertung der gravierenden Sicherheitsmängel in den Rissereaktoren Tihange 2 und Doel 3“ findet sich hier.


Ausdruck vom: 10.12.2018, 22:08:10 Uhr
Beitrags-URL: http://www.hubertus-zdebel.de/tihange-doel-die-belgischen-risiko-reaktoren/
© 2018 Hubertus Zdebel, MdB