Neue Atom-Reaktoren: Uran-Batterien und Atombrennstoff mit deutscher Beteiligung

14. August 2019  Atomenergie

Foto: Screenshot aus der gleichnamingen ARD-Doku

Die teilweise deutsche URENCO entwickelt gemeinsam mit anderen Unternehmen trotz des beschlossenen Atomausstiegs einen neuen, als „Uran-Batterie“ bezeichneten Atom-Reaktor. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Micro- oder Small-Modular-Reactor (MMR, SMR) mit einer thermischen Leistung von 10 MW, der sowohl Strom als auch Wärme erzeugen soll. Dieser soll mit einem Brennstoff namens TRISO betrieben werden. URENCO will außerdem einen neuen Brennstoff entwickeln, der auch für weitere nukleare Einsätze geeignet sein soll (siehe WNN). Dieser wird als HALEU (High Assay Low Enriched Uranium) bezeichnet und ist bei einem Anreicherungsgrad von nur knapp unter 20 Prozent des spaltbaren Uran235 fast atomwaffenfähig. Die Bundesregierung ist über diese HALEU-Pläne der URENCO informiert. Die Atomkonzerne RWE und E.on halten gemeinsam ein Drittel an der URENCO, die Uranfabriken in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA betreibt und Atomkraftwerke in aller Welt mit angereichertem Uranbrennstoff versorgt.

Die Urananreicherungsanlage der URENCO in Gronau ist – wie auch eine Uranfabrik in Lingen – vom Atomausstieg ausgenommen. Anträge im Bundestag, diese Fabriken endlich in den Atomausstieg einzubeziehen und stillzulegen, sind von der Bundesregierung und den Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD bislang abgelehnt worden.

Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE) warnt angesichts der angestrebten erweiterten Einsatzgebiete nuklearer Technologien vor wachsenden Risiken sowohl für die Umwelt als auch hinsichtlich des militärischen Mißbrauchs.

„Technische, aber auch politische Entwicklungen führen dazu, dass die Grauzonen zwischen vermeintlich ziviler und militärischer Atomenergie immer größer werden“, so der  Abgeordnete jüngst in einer ARD-Sendung zum Thema „Das Atomwaffen-Kartell – Ende der Abrüstung?“.

Die Entwicklungen unter Beteiligung der URENCO an dem Reaktor-Model einer „Uran-Batterie“ sollen dazu führen, neue Einsatzgebiete und -Märkte für Nuklear-Technologien zu erschließen. Ein Schwerpunkt der Entwicklungsarbeiten findet in Kanada statt. Angestrebt wird, nach der andauernden Entwicklungsphase einen entsprechenden Reaktor bis zum Jahr 2026 zu bauen und zu betreiben.

Ein Sprecher von U-Battery erklärte dazu vor wenigen Tagen: „Die innovative SMR-Technologie von U-Battery zielt darauf ab, Dieselkraftstoff durch saubere, sichere und kostengünstige Energie für eine Vielzahl von Anwendungen zu ersetzen, einschließlich abgelegener Gemeinden und anderer netzferner Standorte, wie z.B. Bergbauaktivitäten in nördlichen Regionen.“ (Eigene Übersetzung, hier das Original auf der Homepage von U-Battery.)

An der Entwicklung von kleinen nuklearen Reaktoren ist aber auch z.B. das US-Militär interessiert, das damit die Strom- und Wärmeversorgung für ihre Basen und Einsätze sicherstellen will.

Anfang Februar 2019 hatte URENCO in den USA angekündigt, sich mit neuen Uranbrennstoff am Betrieb künftiger Atomreaktor-Modelle zu beteiligen. Während heute in den meisten kommerziellen AKWs das spaltbare Uran-235 bis maximal ca. 5 Prozent angereichert wird, sollen künftig Anreicherungen von bis zu 19,75 Prozent betrieben werden. Ab 20 Prozent wird von hochangereichertem Uran gesprochen.

Brisant ist die Entwicklung dieses neuen höher angereichertem Brennstoffs auch mit Blick auf mögliche militärische Einsatzmöglichkeiten. Erst vor wenigen Wochen hatte das US-Verteidigungsministerium Interesse an kleinen mobilen Reaktoren für „rapid response scenarios“ bekundet, die mit HALEU betrieben werden sollen. Auch US-amerikanische Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten an HALEU für neue Reaktormodelle und Einsatzgebiete.

Weitere Informationen zum dem Thema HALEU finden sich unter den folgenden Links:


Ausdruck vom: 18.10.2019, 13:44:23 Uhr
Beitrags-URL: http://www.hubertus-zdebel.de/neue-atom-reaktoren-uran-batterien-und-atombrennstoff-mit-deutscher-beteiligung/
© 2019 Hubertus Zdebel, MdB