Atomkatastrophe Tschernobyl: Schutzhülle für Sarkophag teurer und später – 615 Mio Euro fehlen derzeit

23. April 2015  Atomenergie

Am 26. April 1986 kam es im Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl zu einem Super-Gau. Bis heute sind die Gefahren, die von dem Unglücksreaktor ausgehen, nicht gebannt. Der sogenannte Sarkophag, der in aller Eile über der Atomruine errichtet wurde, ist marode und muss ersetzt werden. Die Bauarbeiten an einer neuen Schutzhülle haben sich über Jahre verzögert und werden nach derzeitigen Planungen frühestens Ende 2017 abgeschlossen sein. Die Kosten für das gigantische Bauwerk liegen inzwischen bei 2,15 Mrd. Euro und für rund 615 Mio. Euro ist die Finanzierung bis heute nicht geklärt. Die bisherigen 1,4 Mrd. Euro sind bislang von zahlreichen Geberländern und internationalen Einrichtungen, darunter mit rund 109 Mio. Euro Deutschland, aufgebracht worden. Das sind zusammengefasst die Eckdaten aus einem Bericht des Bundesumweltministerium, über den am vergangenen Mittwoch der Umweltausschuss debattierte.

Hubertus Zdebel, Obmann der Fraktion DIE LINKE um Umweltausschuss und Sprecher für Atomausstieg: „Es ist richtig, dass Deutschland und die anderen beteiligten Länder weiterhin bei der Finanzierung der neuen Schutzhülle für Tschernobyl aktiv sind. Doch auch wenn die neue Schutzhülle endlich fertig gestellt ist, sind die Probleme weiterhin enorm. Hochradioaktives Material muss geborgen und gesichert werden und Konzepte entwickelt und umgesetzt werden, nicht nur den Unglücks-Reaktor zu demontieren. Das wird noch viele Milliarden Euro kosten und vermutlich Jahrzehnte dauern. Bislang muss die Ukraine damit allein fertig werden. Es wäre mehr als sinnvoll, wenn die Ukraine auch endlich die anderen Atomkraftwerke im Land stilllegen würde.“

Nach einer Explosion und einem Feuer am 26. April 1986 wurden große Mengen der Radioaktivtät frei, verteilten sich über halb Europa und führten zu schweren Strahlenverseuchungen in der Umgebung des Reaktors, aber auch z.B. in Weißrussland und vielen anderen Ländern. Viele Tausend Menschen kamen bei den Aufträumarbeiten und in den Folgejahren durch Strahlenschäden ums Leben, Kinder erkrankten an Krebs. Bis heute besteht rund um den Unglücksreaktor aufgrund der hohen Strahlung eine Sperrzone.


Ausdruck vom: 19.07.2019, 01:27:48 Uhr
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