AKW Emsland: Ohne vollständige Prüfung nicht wieder ans Netz!

25. Juni 2019  Atomenergie, Pressemitteilungen

Protest vor dem AKW Emsland in Lingen

Warum im AKW Emsland in Lingen trotz Befunden und einer Empfehlung der Reaktorsicherheitskommission (RSK) auf eine vollständige Prüfung sicherheitsrelevanter Heizrohre in den Dampferzeugern verzichtet werden soll, will der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE) jetzt mit einer schriftlichen Frage von der Bundesregierung wissen. Möglicherweise bereits schon morgen (26.6.) könnte die zuständige Atomaufsicht in Niedersachsen ohne diese vollständige Prüfung der Wiederinbetriebnahme des AKW Emsland zustimmen.

„Ohne eine vollständige Prüfung darf das AKW Emsland nicht ans Netz. Die Atomaufsicht in Niedersachsen sollte sich vom Betreiber RWE nicht unter Druck setzen lassen und soll entsprechend den RSK-Empfehlungen handeln“, sagt Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomausstieg der Bundestagsfraktion DIE LINKE.

  • Auf diese Problematik mit den Heizrohren verweisen Anti-Atom-Organisationen, darunter auch .ausgestrahlt und der Arbeitskreis Umwelt (AKU) Schüttorf, die für morgen (Mittwoch, 26.6.) ab 17 Uhr unter dem Motto ‚Ein Riss kommt selten allein‘ zu einer Protestaktion vor dem AKW Emsland aufrufen.

Mit der Schriftlichen Frage will der Abgeordnete auch erfahren, welche sicherheitsrelevanten Risiken mit derartigen Schäden verbunden sein können und nimmt in seiner Frage an die Bundesregierung Bezug auf ein von .ausgestrahlt beauftragtes Gutachten.

Bei der Revision im AKW Emsland ist es laut einer Meldung von RWE zu Befunden an den Wandstärken bei den Heizrohren in einem der vier Dampferzeuger gekommen. Diese Dampferzeuger liegen im radioaktiven Primärkreislauf. Ähnliche Befunde hatte es zuletzt im AKW Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg gegeben.

„An allen Dampferzeugern sind die Heizrohre (…) zu 100 % zu prüfen“ hatte bereits im Jahr 2010 die Reaktorsicherheitskommission in einer Stellungnahme verlangt (siehe:
http://www.rskonline.de/sites/default/files/reports/epanlage1rsk428hp.pdf, Seite 7). Die Reaktorsicherheitskommission ist ein von der Bundesregierung eingesetztes Beratungsgremien.

Die Schriftliche Frage des MdB Zdebel an die Bundesregierung im Wortlaut:

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über sicherheitsrelevante Befunde an den im radioaktiven Primärkühlkreislauf liegenden und unter enorm großem Druck stehenden Heizrohren von Dampferzeugern allgemein und im Hinblick auf sicherheitsrelevante Folgen im Sinne eines Kühlmittelverluststörfalls durch ein Dampferzeuger-Heizrohr-Leck (DEHL) in bundesdeutschen Atomkraftwerken (https://www.ausgestrahlt.de/informieren/mertins-stellungnahme-spannungsrisskorrosion/; mit Bezug auf das zur Zeit in Revision befindliche AKW Emsland https://news.rwe.com/kernkraftwerk-emsland-meldepflichtige-befunde-wahrend-der-revision/; bitte Darstellung über die jeweiligen Befunde je Reaktor), und aus welchen Gründen soll offenbar aktuell im AKW Emsland auf die von der Reaktorsicherheitskommission bereits im Jahr 2010 ausgesprochene Empfehlung „An allen Dampferzeugern sind die Heizrohre (…) zu 100 % zu prüfen“ nach Kenntnis der Bundesregierung verzichtet werden und damit möglicherweise eine Inbetriebnahme des Reaktors ohne ein solche vollständige Prüfung erfolgen (http://www.rskonline.de/sites/default/files/reports/epanlage1rsk428hp.pdf, Seite 7)?

 


Ausdruck vom: 20.09.2019, 22:48:19 Uhr
Beitrags-URL: http://www.hubertus-zdebel.de/akw-emsland-ohne-vollstaendige-pruefung-nicht-wieder-ans-netz/
© 2019 Hubertus Zdebel, MdB